Ob Kämpfer oder Künstler – immer wieder hat Lippe
prägende Gestalten hervorgebracht oder bei sich aufgenommen. Menschen, die durch Kreativität, Mut und Entschlusskraft über sich hinausgewachsen sind und ihrer Zeit einen Stempel aufgedrückt haben. Der Cheruskerfürst Arminius, der den Widerstand der Germanen gegen die Römer anführte, ist da nur die berühmteste Figur. Egal, ob die Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus genau hier stattgefunden hat oder nur in der Nähe – für die Lipper ist und bleibt er „unser Hermann“. Und es gibt viele weitere bekannte Namen:
Zum Beispiel Engelbert Kaempfer (1651-1716), Pastorensohn aus Lemgo und einer der bedeutendsten Forschungsreisenden des Barock. Auf einer zehnjährigen Expedition erkundete er Russland und Persien, Indien und Siam, bis er als einer der ersten Europäer nach Japan gelangte. Seine Reiseberichte haben das Bild dieser Länder im Abendland tief geprägt, allen voran seine „Geschichte und Beschreibung von Japan”.
Ein weltberühmter Gast weilte Mitte des 19. Jahrhunderts in Lippe: Der Komponist Johannes Brahms (1833-1897) wirkte von 1857 bis 1859 als Klavierlehrer am fürstlichen Hof in Detmold. Hier leitete er auch den Hofchor und die Hofkapelle. In seiner Detmolder Zeit komponierte Brahms sein erstes Klavierkonzert, Orchesterserenaden und Lieder.
Ein Meister der geschliffenen Feder war der Dichter und Schriftsteller Christian Dietrich Grabbe (1801-1836). Der Detmolder gilt neben Georg Büchner als der bedeutendste Erneuerer des deutschsprachigen Dramas seiner Zeit. Heute erinnern Detmold und der Landesverband Lippe mit dem Christian-Dietrich-Grabbe-Preis für Literatur an den Dichter, der auch als Satiriker bekannt ist.
Auch der Lyriker Ferdinand Freiligrath (1810-1876) stammt aus Detmold, wo bis heute sein Geburtshaus steht. Zu seinen Bekannten gehörten Friedrich Liszt und Karl Marx. Als scharfzüngiger politischer Dichter des Vormärz und der Revolution von 1848 floh er zeitweise ins holländische Exil. Das literarische Erbe Freiligraths betreut heute die Lippische Landesbibliothek Detmold.
Ein gleichgesinnter Literat war Georg Weerth (1822-1856). Den Detmolder Pfarrerssohn empörte das soziale Elend der frühindustriellen Zeit. Gemeinsam mit Friedrich Engels und Karl Marx gründete er die „Neue Rheinische Zeitung” und schrieb dagegen an. Später unternahm er lange Reisen und starb mit erst 34 Jahren auf Kuba an der Malaria.
Landesmutter im wahrsten Sinne des Wortes war die Fürstin Pauline von Lippe (1769-1820). Die Regentin war wegen ihres sozialen Verantwortungsgefühls im Volk sehr beliebt. Sie hob die Leibeigenschaft der lippischen Bauern auf und bewahrte in den napoleonischen Wirren die Eigenständigkeit des Landes. Weit über dessen Grenzen bekannt wurde bald eine Erfindung der emsigen Pauline: der Kindergarten.
Auch den bekannten Musiker Albert Lortzing (1801-1851) zog es nach Lippe. Der Komponist, Sänger und Schauspieler kam 1826 ans Hoftheater in Detmold. Mehr als 100 musikalische und 200 Theaterrollen spielte er hier. Ein Star seiner Zeit, der den Ruf der Fürstenstadt als bedeutendes Kunstzentrum entscheidend mitprägte.
Noch ein Unbeugsamer aus dem Land des Hermann: Der jüdische Journalist Felix Fechenbach (1894-1933) legte sich früh mit den Nationalsozialisten an. Als verantwortlicher Redakteur des Detmolder „Volksblattes“ griff er deren politisches Programm in beißender Ironie an. Kurz nach der Machtergreifung wurde er verhaftet und von den Nazis ermordet.
Ihm verdankt Nordrhein-Westfalen die lippische Rose im Wappen: Regierungspräsident Heinrich Drake (1881-1970) verhandelte 1947 über den Beitritt unserer Region zum neu gegründeten Bundesland. Das lippische Landesvermögen wusste er dabei klug zu sichern. Und als Ausgleich für den Verlust der Souveränität – und als echter Sohn seiner Region – sorgte er dafür, dass die Bezirksregierung von Minden nach Detmold verlegt wurde.
Östlich von Detmold liegt das Dorf Mossenberg. 1944 wurde hier der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder geboren. Als Mittelstürmer (Spitzname „Acker“) legte er sich beim TSV Talle die nötigen Ellbogen zu. Nach dem Krieg – der Vater war gefallen – war die Familie bettelarm. 50 Jahre später saß er im Kanzleramt. Alles ist möglich, wenn man aus Lippe kommt.
Elf Jahre später wurde im lippischen Mossenberg ein Junge auf den Namen Gerhard getauft. Auch er hat bereits einiges in Lippe bewegt. Als Mittelstürmer „Acker” des TSV Talle und als ehemaliger Bundeskanzler Gerhard Schröder.



