Lippe auf dem Weg zur Qualitätswanderregion Wanderbares Deutschland

Aktueller Stand

Februar 2022

An dieser Stelle möchten wir die Gelegenheit nutzen und Sie kurz vor Beendigung des RWP Projektes „Qualitätswanderregion Lippe – Land des Hermann“  über die gemachten Fortschritte informieren und Ihnen den aktuellen Projektstand mitteilen. Etliches ist schon erreicht, aber es bleibt bis Ende März noch Einiges zu tun. Dank der Mitarbeit vieler Akteure (Touristikern, Heimatvereine, Wandervereine, Naturpark, Landesverband und vielen mehr) ist Lippe inzwischen auf der Zielgeraden.

Wanderwegenetz

Nach einer kompletten Wegerevision wurde das Wanderwegenetz in Lippe unter dem Gesichtspunkt der Qualität unserer Wanderwege von 1.700 auf 1.200 km reduziert. Die Wanderwege wurden in mehreren Workshops dazu in verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • a = bereits zertifizierte Wanderwege
  • b = Wege, die den Kriterien des Deutschen Wanderverbandes entsprechen und zertifizierungsfähig sind (v.a. kurze Qualitätswege und sogenannte Qualitätstouren)
  • c = touristisch relevante Wanderwege (Wege, die annähernd den Qualitätskriterien des Deutschen Wanderverbands entsprechen) mit im Projekt zu erledigenden Markierungs- und Wegweisungsmaßnahmen, darunter auch Wege, die im Projekt neu entwickelt werden
  • d = weitere lohnenswerte Wanderwege im Netz (keine Wegweisung im Projekt)
  • e = Wanderwege, die wegfallen, d.h. aus Wanderkarten herausgenommen und touristisch nicht weiter vermarktet werden. Diese Wege sind mittlerweile demarkiert.

Sonderfall Spazierwege: Einige kurze Wege, die nicht für die Übernahme in das neue Wanderwegenetz geeignet, aber für die Akteure vor Ort weiterhin von Bedeutung sind, konnten nach intensiver Abstimmung in den Workshops als „Spazierwege“ deklariert werden. So können diese als markierte Wege in der Natur erhalten bleiben, werden aber nicht auf den Wander-Infotafeln, der Wanderkarte und bei Geobasis.NRW auftauchen. Vorgabe aus dem Zertifizierungsprozess ist es, dass Wanderwege und Spazierwege nicht in der Darstellung vermischt werden dürfen. Es wird also in Wander-Infotafeln und Spazierwege-Infotafeln unterschieden, die im Rahmen des Projektes umgesetzt und finanziert werden.

Für die Markierung heißt dies, dass die Spazierwege ihre aktuellen Zeichen grundsätzlich behalten. Für die Vermarktung (z.B. in örtlichen Infoflyern oder auf Spazierweg-Infotafeln) werden Formulierungen wie “Rundwanderweg“ oder „Wanderweg“ einheitlich durch den Ausdruck „Spazierweg“ ersetzt werden. Eigennamen als Teil der Wegebezeichnung bleiben bestehen. Das gilt auch für die Datengrundlage im Geoportal.

Für alle Orte, die nicht bereits im Projekt „Zukunftsfit Wandern im Teutoburger Wald“ eine Wegerevision durchgeführt hatten, wurden in je drei Ortsworkshops die Wegerevision und Kategorisierung gemeinsam mit den Ortstouristikern und Wandervereinen beschlossen.

Über die Kategorisierung einzelner Wege und die Einordung können der jeweils zuständige Ortstouristiker und die zeichnungsberechtigten Vereine bei Bedarf Auskunft erteilen. Seit März 2021 sind keine Änderungen am Wegenetz mehr möglich.

Wanderbeirat

Seit 2016 tagt in Lippe regelmäßig ein Wanderbeirat in dem alle wanderbeteiligten Akteure im Kreis eingebunden sind. Neben dem Naturpark, der LTM, den zeichnungsberechtigten Vereinen, dem Landesverband, Abteilung Geomanagement des Kreises Lippe, Untere Naturschutzbehörde und weiteren Partnern sind seit mehr als einem Jahr auch die Reiter und Radfahrer im Gremium vertreten. Hier werden alle Themen rund um das Wandern diskutiert und Vorgehensweisen besprochen und festgelegt. So ist gewährleistet, dass alle betroffen Organisationen eingebunden werden und die Kommunikation in deren Strukturen sichergestellt wird.

So wurde z.B. für die Weiterentwicklung des lippischen Wanderwegenetzes eine 2 zu 1 Regel definiert, die besagt, dass pro km neuem Wanderweg der realisiert werden soll 2 km alte Wanderwege demarkiert werden müssen. Insgesamt wurde für die Anlage neuer Wanderwege ein kreisweit einheitliches Verfahren definiert, das sicherstellt, dass die Qualität des Wanderwegenetzes nicht verwässert wird.

Aktuell

Für die Zertifizierung als Qualitätsregion Wanderbares Deutschland muss Lippe mindestens 28 sogenannte „Qualitätstouren“ nachweisen, die bestimmten Qualitätsanforderungen gerecht werden müssen. Auch bereits vorher zertifizierte, kurze Qualitätswege werden für die Zertifizierung als Qualitätsregion Wanderbares Deutschland anerkannt. Zuletzt wurden zusätzlich zu den bis dahin bereits identifizierten Qualitätstouren noch fünf potenzielle neue Qualitätswege der neuen Kategorie „Entdeckertouren“ erarbeitet:

  • Taller Bergrunde (Kalletal) 9,6 km
  • NABU Naturlehrpfad (Schwelentrup) 5,5 km
  • Osterbergweg (Lügde) 7,9 km
  • Klosterweg Falkenhagen (Lügde) 4,9 km
  • Barntruper Kunstpfad (Barntrup) 7,2 km

Diese Wege werden bis Ende März/Anfang April vom Deutschen Wanderverband final geprüft.

Zusätzlich konnten drei digitale Qualitätstouren aus dem aktuellen markierten Wanderwegenetz definiert werden, die ebenfalls in die Berechnung für die Qualitätsregion mit eingehen:

  • Schwelentruper Höhenvariante
  • Rund um Henkenbrink (bei Falkenhagen
  • Blomberger Waldrunde (mit Abkürzung)

Nutzerfreundliche Markierung

Auf Basis von § 19 der Verordnung zur Durchführung des Landesnaturschutzgesetzes (DVO-LNatSchG) sind im Kreis Lippe ausschließlich der Teutoburger Wald-Verband, der Lippische Heimatbund und der Eggegebirgsverein die berechtigen Organisationen zur Wegekennzeichnung. Diese sind in allen Projektphasen sehr intensiv in alle Wegethemen im Projekt eingebunden. Bereits 2021 wurde das neu erarbeitete Wegenetz einer grundsätzlichen Neumarkierung unterzogen. Dabei wurden auch notwenige Standorte für Markierungspfosten identifiziert, wo keine natürlichen Markierungsträger wie z.B. Bäume vorhanden sind. Diese werden aktuell durch ein Unternehmen aufgestellt.

Es ist auch in diesem Frühjahr nötig, die Markierung auf ihre Nutzerfreundlichkeit zu überprüfen und wo nötig zu verbessern. Dazu beauftragen die zeichnungsberechtigen Organisationen ihre Wegezeichner*innen. 2021 wurden 4 Wegezeichner-Seminare durchgeführt. 2022 sind für den 12. und 19. Februar weitere Schulungs-Termine angesetzt.

Anforderung sind die Markierungsrichtlinien des Deutschen Wanderverbandes, die auch für die Prüfung als Qualitätsregion vorausgesetzt werden. Im Rahmen einer Vor-Ortprüfung wird unter anderem die Markierung und Wegweisung kritisch überprüft. Im Wanderbeirat Lippe wurde festgelegt, dass nur geschulte Wegezeichner*innen durch die zeichnungsberechtigen Organisationen beauftragt werden dürfen.

Wegweiser

In intensiver Abstimmung mit allen Beteiligten wurde 2020/2021 ein Wegweisungskataster in mehreren Workshoprunden erarbeitet und beschlossen. Insgesamt wurden 2.200 Wegweisungsblätter für das gesamte Projektgebiet an insgesamt 550 Standorten für Zielwegweiser erstellt, die die 220 Standorte aus dem Projekt Zukunftsfit Wandern im Teutoburger Wald ergänzen. Insgesamt verfügt die Wanderregion Lippe damit über mehr als 700 Wegweiserstandorte. Mittlerweile wurden 90 % der neuen Zielwegweiser durch ein beauftragtes Unternehmen aufgebaut.

Infotafeln

Im Juni 2021 gab es eine Infoveranstaltung für die lippischen Touristiker mit einem Statusbericht zum Projekt. Gleichzeitig war dies der Kickoff-Termin zu den Wander-Infotafeln, bei dem auch das aus dem Projekt „Zukunftsfit Wandern im Teutoburger Wald“ bekannte Design vorgestellt wurde. Außerdem wurden die Touristiker regelmäßig bei den Touristikerrunden über die Projektentwicklung informiert. Die Inhalte der ca. 200 Wander-Infotafeln sind mit den zeichnungsberechtigten Vereinen und den örtlichen Touristischen Ansprechpartner*innen abgesprochen. Es gab sieben Redaktionsworkshops zu den Wander-Infotafeln.

Der große Bedarf an neuen Wander-Infotafeln ist eine direkte Folge der massiven Wegerevision der letzten Jahre. Bestehende Tafeln geben das aktuelle Wegenetz nicht mehr wieder und würden die Wandergäste eher verwirren. Die neuen Tafeln bilden das aktuelle Wegnetz, das im Geoportal des Kreises verwaltet wird, genau ab. Auch die Karten der Wanderinfotafeln und die Grundlage für die neu zu erstellenden Wanderkarten werden durch das Geomanagement des Kreises Lippe erstellt. Ein großes Dankeschön für die großartige Unterstützung!

Die Wander-Infotafeln werden in den nächsten Wochen aufgestellt. Die vorhandenen Tafeln, die das aktuelle Wegenetz nicht mehr abbilden, werden nun abgebaut. Neuere Tafeln werden durch die LTM GmbH eingelagert. Ältere Tafeln werden nach dem Abbau durch ein beauftragtes Unternehmen entsorgt.

Sollten Sie eine alte Tafel aus nostalgischen Gründen behalten wollen, um diese z.B. in Ihrem Vereinsheim aufzuhängen, sollten Sie diese bitte schnellstmöglich sichern und abnehmen. Wir bitten um eine enge Abstimmung mit den örtlichen Touristikern.

Gutes Miteinander auf Lippes Wegen

Wandern, Radfahren und Reiten zählen in unserer Region zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten, sei es von Naherholungssuchenden aus der Region oder von Urlaubsgästen. Um den Wünschen und Bedürfnissen der verschiedenen Nutzergruppen zu entsprechen, ist ein landschaftlich attraktives, gut ausgeschildertes und aufeinander abgestimmtes Wegenetz eine Grundvoraussetzung.

Um unser Potenzial als Wanderregion besser als bisher auszuschöpfen, streben wir die Zertifizierung als Qualitätsregion Wanderbares Deutschland nach den Kriterien des Deutschen Wanderverbandes (DWV) an. Begleitend hierzu wurde von uns die „Machbarkeitsstudie Reiten – Wandern – Radfahren“ in Auftrag gegeben, um parallel eine Harmonisierung der einzelnen Interessengruppen zu erreichen.

Ziel war es, den Status des Kreises Lippe als Wander-, Reit- und Radregion zu beleuchten und dahingehend das Wegenetz hinsichtlich rechtlicher Belange (u.a. Sinnhaftigkeit der Sperrgebiete), Zweckmäßigkeit und Attraktivität zu überprüfen. Aus den Erkenntnissen der Prüfung konnten Empfehlungen abgeleitet werden, welche neben den rechtlichen auch die touristischen Belange berücksichtigen und Maßnahmen zu einer nachhaltigen Verbesserung der aktuellen Situation sowie zum verträglichen Miteinander von Reitern, Radfahrern und Wanderern aufzeigen. Die Machbarkeitsstudie wurde vom Europäischen Tourismus Institut und seinem Kooperationspartners Deutscher Wanderverband Service GmbH erstellt.

Für die Sensibilisierung der Natursporttreibenden und die Implementierung eines guten Miteinanders konnte mit den beteiligten Akteuren eine Natursport-Charta für Lippe entwickelt und abgestimmt werden. Neben den infrastrukturellen Maßnahmen bietet diese Charta die richtungsweisende Orientierung für einen respektvollen Umgang mit der lippischen Natur und den aktiven Nutzergruppen. Sie bietet Ansatzpunkte für Dialog und gegenseitiges Verständnis im Sinne einer nutzerorientierten und für alle Beteiligten verträglichen gemeinsamen Nutzung der lippischen Natur. Die Natursport-Charta findet sich unter anderem zukünftig auf jeder Wander-Infotafeln in Lippe wieder.

Achtsamkeitshinweise

Als eine eher indirekte Folge der Machbarkeitsstudie wurden drei verschiedenen Achtsamkeitshinweise im Projekt gestaltet und im Wanderbeirat abgestimmt. Für die Themen Eigentum, Waldbrandgefahr und die Kreuzung befahrener Straßen wurden Hinweisschilder entwickelt, die den Wandernden an geeigneten Stellen, Hinweise für richtiges und respektvolles Verhalten vermitteln.

Rettungspunkte

Die Qualitätskriterien des Deutschen Wanderverbandes sehen vor, dass ein Rettungspunktekonzept für die Region vorliegt, welches die Versorgung und ggf. zügige Rettung oder Bergung von verunglückten Personen auf Wanderschaft garantiert. Das bestehende Netz der Waldrettungspunkte wurde an Standorten mit Bedarfen mit weiteren Rettungspunkten ergänzt.

Für zehn Kommunen wurde das Rettungspunktenetz ergänzt. Neben den eigentlichen Rettungspunkten wurden alle neu entstehenden Wegweiserstandorte auf ihren Standortplaketten mit UTM-Koordinaten versehen, sodass detaillierte Standortmeldungen zusätzlich zu den Rettungspunkten ermöglicht werden. Das Rettungspunktekonzept wurde mit den Ansprechpartnern vor Ort und dem Bevölkerungsschutz abgestimmt.

Wandermobiliar

Im Rahmen des Projektes wurden die lippischen Kommunen mit einheitlichem Wandermobiliar ausgestattet. Zur weiteren Attraktivierung der Wanderregion wurden drei Erlebnisstationen installiert. Der Köterberg in Lügde hat ein Landschaftskino bekommen. Am Schieder-See in Schieder-Schwalenberg wurde eine neue Seeplattform errichtet und im Kalletal wurde am Weserbergblick eine neue moderne Tisch-Bank-Kombination sowie eine Hörstation aufgebaut. In den nächsten Wochen werden noch zehn Wanderschutzhütten im Kreisgebiet aufgebaut.

Fazit

Es ist schon sehr viel erreicht worden und ein Projekt dieser Größenordnung in seiner ganzen Tiefe ist sehr komplex. Es liegt in der Natur der Sache, dass auch bei intensiver Kommunikation und einer Vielzahl von Workshops nicht jede Info bei allen ankommt. Das Team der LTM in Zusammenarbeit mit den zeichnungsberechtigten Vereinen und in enger Abstimmung mit den örtlichen Touristikern und den weiteren Projektbeteiligten hat viel dafür getan, möglichst viel Transparenz zu schaffen. Wir bitten um Verständnis, dass in der jetzigen Projektphase keine grundsätzlichen Diskussionen mehr geführt werden können. Jetzt auf der Zielgeraden gilt es, die Umsetzung bis Ende März ergebnisorientiert voranzutreiben. Ende März wird ein kleines Prüferteam des Deutschen Wanderverbandes die Region bereisen, um die Zertifizierungsfähigkeit des Kreises Lippe als „Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“ zu prüfen. Bis dahin heißt es nochmal zusammen zu stehen und die Ärmel hochzukrempeln. Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.